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Die transformative Wirkung der Blockchain auf die Kreditorenbuchhaltung

Freitag, 13. Oktober 2017

5 Minuten Lesezeit

Die transformative Wirkung der Blockchain auf die Kreditorenbuchhaltung

Es scheint so, als ob sich die Blockchain-Technologie auf alles auswirkt. Zumindest, wenn man an den Hype glaubt. Aber ist es wirklich nur ein Hype? Oder sind die Vorhersagen für die nahe Zukunft genauso scharfsichtig wie die der frühen 1990er Jahre, die beschrieben, wie das Internet viele Aspekte unseres Lebens – privat wie beruflich – verändern würde.
Ein Gastbeitrag von Peter Loughlin von Purchasing Insight.

 

Warum gibt es diesen Hype rund um Blockchain?

Die Blockchain ist deswegen so machtvoll, weil sie einen unbestreitbaren Beleg für erfolgte Transaktionen erzeugt. Geschützt durch eine leistungsstarke Verschlüsselung, wird sichergestellt, dass der Herkunftsnachweis von Informationen korrekt ist, die im Shared Ledger – einer Art gemeinsamem Kontobuch – der Blockchain abgelegt sind. Im Fall von Kryptowährungen wie Bitcoin bietet das eine solche Sicherheit, dass man keine Bank als vertrauenswürdigen Dritten benötigt oder als Schiedsrichter, der darüber entscheidet, wem was gehört. Wenn diese Methode im Purchase-to-Pay-Prozess (P2P) angewendet wird, könnte sie bürokratische Hürden entlang der Lieferkette eliminieren und Kosten erheblich reduzieren.

Wo man auch hinschaut, gibt es neue Anwendungsmöglichkeiten für die Blockchain-Technologie. Sie hat bereits Teile des Finanzdienstleistungssektors drastisch verändert und einige Banken haben sogar eine eigene Kryptowährung entwickelt – scheinbar in direkter Konkurrenz zu ihrem traditionellen Kerngeschäft – um interne Settlement-Prozesse zu beschleunigen. Viele sagen jedoch voraus, dass die Auswirkungen sich nicht nur auf die Finanzdienstleistungen beschränken werden, und ich glaube, dass sich dadurch die Art und Weise, wie wir miteinander Geschäfte machen, grundlegend verändern wird – und nicht nur die Art und Weise, wie wir Geld verwenden.

So revolutionär wie Online-Shopping

Nehmen wir mal eine einfache Einkaufstransaktion und die dazugehörigen Dokumente: ein Auftrag, ein Lieferschein und eine Rechnung. Wenn ein Lieferant bezahlt werden soll, kontrolliert normalerweise ein Sachbearbeiter der einkaufenden Organisation, ob die Rechnung des Lieferanten mit dem entsprechenden Auftrag und den Lieferdaten bzw. dem Lieferschein übereinstimmt. Das ist wichtig, da es Unstimmigkeiten geben kann – zum Beispiel, wenn zu viel oder zu wenig geliefert wurde oder Preise abweichen. Aber stellen wir uns mal vor, wir würden Transaktionen im Einkauf über eine Blockchain-Plattform ausführen. Es gäbe dann keinen Grund, die Rechnung abzugleichen, denn wenn die Belege – Auftrag, Lieferbestätigung etc. – in der Blockchain abgelegt wurden, sind Herkunft, Authentizität und Richtigkeit dieser Belege garantiert. Und wenn das der Fall ist, braucht man gar keine Rechnung mehr. Zahlungen könnten als logischer Schritt nach der Lieferung erfolgen, so lange die Lieferdaten mit dem Auftrag korrespondieren.

Es mag weit hergeholt – sogar abstrus – erscheinen, sich vorzustellen, dass man durch die Nutzung der Blockchain-Technologie auf ein grundlegendes Geschäftsdokument – die Rechnung – verzichten könnte, aber Einkaufen über das Internet schien in den frühen 1990er Jahren auch unvorstellbar.

Lassen Sie sich von mir daran erinnern, wie die Welt damals war:
Das Internet war eine neue Form eines stabilen Netzwerks. Es wurde für die Kommunikation verwendet. E-Mail war die Verwendung schlechthin. Akademiker nutzten das World Wide Web, um Informationen zu teilen. Sein Potenzial, bis in die privaten Bereiche vorzudringen, wurde früh erkannt, aber Kommunikation und der Abruf von Informationen galten als vornehmliche Verwendungszwecke. Online-Shopping wurde als unzweckmäßig angesehen – warum sollte irgendjemand im Internet einkaufen, wenn man das im Laden tun kann? Und es gab ohnehin praktische, vertragliche und rechtliche Hindernisse. Althergebrachte papierbezogene Verfahren, wie zum Beispiel Unterschriften, wurden als unabdingbar erachtet und es gab natürlich auch Sicherheitsbedenken. Doch trotz des Spotts und der Schranken des konventionellen Denkens, die überwunden werden mussten, hatte der E-Commerce innerhalb eines Jahrzehnts seine Vormachtstellung erlangt.

Die Zukunft der Finanzen im Licht der Blockchain

Das oben beschriebene E-Commerce-Szenario zeigt, wo wir mit der Blockchain derzeit stehen. Die Verwendung par excellence – Bitcoin – hat bewiesen, dass Blockchain stabil und zuverlässig ist, immer weitere Anwendungsmöglichkeiten entstehen. Die meisten sind Derivate der Kryptowährung, aber andere, die zum Beispiel die Lieferkette betreffen, sind durchaus innovativ.

Beim Konzept des „Smart Contracts“ werden Vertragskonditionen in der Blockchain hinterlegt. Als Konsequenz aus einer vorangegangen Aktion oder Transaktion, die an die Vertragsbedingungen geknüpft sind, werden automatisch weitere Aktionen ausgeführt. [Anmerkung der Redaktion: Ausführlicher erklärt wird das Prinzip der Smart Contracts z.B. hier auf https://www.kreditkarte.net/wissenswertes/smart-contracts/ ]
Dies könnte einige Geschäftsprozesse revolutionieren. Diese neue Verwendung der Technologie ist manchmal nur sehr schwer zu verstehen und scheint die traditionellen Unternehmensprozesse auf den Kopf zu stellen. Doch indem sie das tut, entstehen neue Möglichkeiten. Neue Wege, etwas anzugehen, werden sichtbar, an die man vorher noch nicht mal gedacht hat.

Bedenken Sie zum Beispiel die Wirkung eines einzigen, transparenten gemeinsamen Kontobuches (ein sog. Shared Ledger) für B2B-Transaktionen entlang einer Lieferkette. Nutzt man modernes Data Mining, Künstliche Intelligenz (KI) und Predicitive Analytics, könnte nie dagewesener Wert aus diesen Informationen gezogen werden. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs – warum sollte man das nur auf eine einzige Lieferkette eines einkaufenden Unternehmers und seiner Kunden und Lieferanten beschränken. Es könnte sich über eine ganze Industrie oder sogar ein ganzes Wirtschaftssystem erstrecken. Automatisierte Audits von Business-Transaktionen in Echtzeit könnten das Eintreiben von Steuern effizienter und effektiver machen [Anmerkung der Redaktion: Mehr dazu hier, warum sich das Finanzamt für Blockchain und Big Data interessiert]

Aber die Blockchain hat nicht nur das Potenzial, große Veränderungen auf Makroebene hervorzubringen – sie wird auch Auswirkungen auf das alltägliche Arbeiten haben. Bedenken sie zum Beispiel, wie viel effektiver die Buchhaltungsfunktionen werden können, wenn sie durch die Verwendung von Smart Contracts von üblichen manuellen Abgleichen befreit werden, die heutzutage erforderlich sind, um Zahlungen freizugeben. Ein größerer Fokus könnte dann auf das Berichtswesen und Analysen gelegt werden. Anstatt nur Zahlungen freizugeben, könnte man sich Gedanken über die Terminierung von Zahlungen machen. Warum nicht sofort bezahlen und vom Lieferanten einen Rabatt fordern, wenn die Zahlungsfreigabe auf Basis eines Smart Contracts, der in der Blockchain verwaltet wird, unmittelbar erfolgen kann? Tatsächlich könnte der Smart Contract so zu einem neuen strategischen Rechnungswesen führen, dessen Mitarbeiter Kreditorenlaufzeiten und Cashflow steuern. Sie könnten somit beitragen, Beeinträchtigungen der Lieferkette aufzufangen, indem sie hinsichtlich der Zahlungsbedingungen enger mit den Lieferanten zusammenarbeiten.

Was ist heute schon möglich?

Die Auswirkungen dieser neuen Technologien lassen sich schwerlich unterschätzen. Sie haben echtes und unmittelbares Potenzial, die Finanzfunktionen grundlegend zu verändern, indem sie mehr Transparenz und bessere Vorhersagbarkeit schaffen.

Ist das alles schon heute möglich? Vielleicht nicht. Rechnungen sind in den meisten Wirtschaftssystemen nach wie vor gesetzlich vorgeschrieben; dennoch, die Möglichkeit ist gegeben und in absehbarer Zukunft wird es Realität werden. Aber es gibt etwas, das heute schon stattfinden kann. Die Möglichkeit, die Prinzipien der Blockchain im Purchase-to-Pay-Prozess anzuwenden, versetzt die Kreditorenbuchhaltung in die Lage mit Vertretern aus dem Finanzbereich und entlang der Lieferkette in einen deutlich strategischeren Dialog darüber zu treten, wie sie eine zentralere Rolle spielen und sich von einer Backoffice- zu einer stärker wertschöpfenden Funktion weiterentwickeln können.

Es ist ein Fehler, zu denken, es reiche momentan, die Entwicklung zu beobachten. „Blockchain im Blick behalten“ greift nicht die damit verbundenen Chancen auf, sondern ist eine andere Formulierung dafür, nichts zu tun. Viele der Anwendungsmöglichkeiten, welche Blockchain dem Purchase-to-Pay-Prozess eröffnet, sind heute schon umsetzbar und tatsächlich erarbeiten viele Organisationen bereits konkrete Pläne, wie sie von den vorliegenden Möglichkeiten profitieren können. Alle Finanzfunktionen, alle CFOs sollten dasselbe tun.

Welche Technologien außerdem künftig für Einkauf und Finanzen eine bedeutsame Rolle spielen, erfahren Sie im Whitepaper "3 disruptive Trends und ihr Einfluss auf die Zukunft des Finanz- und Beschaffungswesen".