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Big Data und Blockchain – auch das Finanzamt interessiert sich dafür

Freitag, 21. Oktober 2016

5 Minuten Lesezeit

Big Data und Blockchain – auch das Finanzamt interessiert sich dafür

Jos Feyaerts
Digitalization guide Jos Feyaerts partner of InCoPro BVBA : Design for Margin (D4M)

Vom BIG DATA Modell sind offensichtlich viele Unternehmen fasziniert und sie sondieren gerade eifrig dessen Einsatzmöglichkeiten. Eine Kehrseite könnte allerdings sein, dass sich BIG DATA auch auf der Prioritätenliste der Steuerbehörden befindet.

Allerdings besteht deren Interesse in erster Linie an den strukturierten Massendaten von (Finanz-)Transaktionen und nicht wirklich an Big Data. In dem Maß, wie sich viele Großunternehmen gerade für Big Data interessieren, zeichnet sich deshalb auch ein Hype um die Themen Blockchain und Smart Contracts ab.

Blockchain (eine einfache Erklärung des Begriffs hier im IT-Finanzmagazin) ist vielversprechend beim Austausch jeglicher Daten und scheint neue Möglichkeiten zu bieten für die Bereitstellung „der einzigen Version der Wahrheit“, die für alle Beteiligten sichtbar und transparent zugänglich sein wird - und das in Echtzeit. Blockchain kann auch die Verbindung zwischen den drei parallelen Ketten bilden – der physischen, finanziellen und technologischen (loT – Internet of Things) Supply Chain. Stellt sich nur die Frage: „Woran denkt das Finanzamt, wenn es überlegt, welche Möglichkeiten die Blockchain-Technologie ihm bieten könnte?“ Ja, auch die Behörden sehen Blockchain als Chance, sich selbst zu einem Teil der Transaktionskette zu machen, um Echtzeit-Zugang zu allen Informationen entlang der Prozessschiene zu erhalten.

Das Finanzamt als Partner in der durchgängigen Erfassung von Daten aus Geschäftsvorgängen

Ob uns das gefällt oder nicht, die Zukunft der Steuererhebung in der EU wird zu einer stärkeren Kontrolle innerhalb des Prozesses führen. Die Bekämpfung der Steuerhinterziehung rückt fast überall auf der Welt immer mehr in den Mittelpunkt. Rechnungen, und alles was mit ihnen in Verbindung steht, werden zu einem der wichtigsten Instrumente um sicherzustellen, dass Steuern im Zahlungsverkehr eingefordert werden. Für viele Jahre konzentrierte sich die e-Invoice-Compliance hauptsächlich auf die Sicherstellung der Authentizität, Integrität und Lesbarkeit. Das ist tatsächlich einer der Grundsteine. Allerdings ist Steuerhinterziehung immer noch möglich, selbst wenn diese Punkte sichergestellt sind. Deshalb befinden sich hauptsächlich diese 4 Arten an Compliance-Themen im Vordergrund:

  • Compliance zur Betrugsbekämpfung

  • Formale Compliance

  • Inhaltliche Compliance

  • Compliance im Berichtswesen

(Siehe dazu auch “Holistic view on tax compliance”, Seite 148 des Billentis Market Report 2016, basierend auf einer InCoPro-Typologie)

Vom klassischen, aggregierten Ein-Seiten-Bericht zum detaillierten zeilenweisen Reporting auf Ebene der Einzelposition

Die Steuerbehörden der EU werden sich stärker auf die Ebene von Einzelpositionen konzentrieren und versuchen, Teil der einzelnen Prozessketten zu werden. Das klassische Berichtswesen auf aggregierter Ebene wird ersetzt werden durch eine detaillierte Aufzeichnung darüber, was in den beiden wichtigsten durchgängigen Geschäftsprozessen (Order-to-Cash und Purchase-to-Pay) geschieht. Die Steuerbehörden werden eine Art Freigabe-Modell zwischen den Daten dieser beiden Prozesse einführen, um die klassische „formale Compliance“ zu prüfen (zur Erkennung von Betrug, Pseudorechnungen, Integrität & Authenzität, Pflichtfeldern) sowie den „Inhalt der Rechnung“ (in Bezug auf korrektes nationales und internationales Steuerrecht). Sie werden beide Prozesse überprüfen und freigeben. Die Authentizitätsprüfung erhält dadurch eine ganz neue Dimension.

Record-to-Reporting: Vom Einzelposten zum Berichtswesen - Gestartet wird mit einem parallelen System, bis echtes "zeilenweises" Reporting folgt

Obwohl die Ideen und Erfahrungen der lateinamerikanischen Systeme eine große Inspirationsquelle darstellen, sehe ich einen wesentlichen Unterschied bei der Einführung in der EU. Da die EU bereits relativ gute (nachträgliche) Berichtssysteme installiert hat (Meldepflichten für Unternehmen), werden die Steuerbehörden mit parallelen Systemen beginnen, wobei Informationen von elektronischen Rechnungen, aber auch von anderen Dokumenten (wie Bestellungen und Zahlungen), auf Positionsebene eingereicht werden müssen. Portugal, mit einer SAF-T Berichtsverpflichtung, führt das bereits durch (detaillierte Berichterstattung am Ende der Berichtsperiode, seit 2014). Spanien wird noch einen Schritt weiter gehen mit dem taktgenauen Informationsaustausch (innerhalb von 4 Tagen) zu Einzelpositionen  (Einführung der sogenannten zeitgenauen VAT-BOOKS ab 2017). Die spanische Version könnte meiner Meinung nach die Basis sein, auf der auch andere Länder ihre Richtlinien aufsetzen.

Ich bin davon überzeugt, dass viele Unternehmer dieses Modell nicht wirklich mögen werden (aufgrund der Transparenz). Obwohl objektiv betrachtet niemand etwas dagegen haben kann (wenn man nichts zu verbergen hat), werden viele Emotionen hochkochen.

Das parallele System, als ein Zwischenschritt für den Einstieg, wird wahrscheinlich in der EU mehr Zuspruch finden, als sofort ein echtes zeilenweises Berichtssystem einzurichten, bei dem Transaktionen über eine zentrale Regierungsplattform laufen.

Die Übermittlung der Daten am Ende des Prozesses bietet den Behörden die Möglichkeit, das vollständige Prüfverfahren einer bestimmten Transaktion effektiv zu erfassen, und zwar nicht nur innerhalb eines Unternehmens, sondern auch unternehmensübergreifend von beiden Seiten (Käufer und Verkäufer). Das ist meiner Meinung nach auch der Grund, warum Blockchain (mit seiner Möglichkeit einer Dokumenten- und Protokollkette) im Fokus der Steuerbehörden ist.

Mehr Details zu diesem Thema finden Sie auch in diesem Foliensatz von den Round-Table-Diskussionen “The Future of VAT in a Digital World” beim Exchange Summit in Barcelona vom 10.-11. Oktober 2016 – Hier zum Download