So hohe Skonti, so niedrige Zahlungsmoral

Geschäftsführer der Basware GmbH

Magere zwei bis drei Prozent – das ist der gängige Skontosatz in Deutschland, wie wir schon aus den Lehrbüchern der Betriebswirtschaft wissen. Da blutet dem deutschen Mittelständler fast das Herz, wenn er sieht, dass Lieferanten im Ausland durchschnittlich acht Prozent Nachlass geben, teilweise gar 50 Prozent. Interessant finde ich, dass nicht einmal jedes zweite Unternehmen sich davon zu einer zügigen Bezahlung hinreißen lässt. Sie fragen sich vielleicht, woher ich diese Zahlen habe. Es handelt sich um die Ergebnisse der global durchgeführten Studie „Creating Payment Energy“, die Basware und MasterCard gemeinsam in Auftrag gegeben hatten.

Als aufmerksamer Basware-Blog-Leser erinnern Sie sich: Im September haben wir diese Studie veröffentlicht und gezeigt, dass es mit der Zahlungsmoral hapert. Für drei Viertel der Firmen gehören verspätete Zahlungen zum Geschäftsalltag. Doch wo liegen die Ursachen? Schließlich sind die Lieferanten willens, beträchtliche Skonti anzubieten, um Zahlungen voranzutreiben – der eine oder andere greift vermutlich gar seine eigenen Margenstrukturen an.

Um die Antwort zu finden, müssen wir tiefer in das Prozessdickicht eintauchen. In unserer Studie haben wir interne Engpässe im Zahlungsprozess ausgemacht. Sieben von zehn Unternehmen (69 Prozent) räumten ein, dass sie zumindest ab und an aufgrund ineffizienter interner Abläufe keine Skonti von Zulieferern nutzen konnten. Es fehlen notwendige Systeme und automatisierte Prozesse, die es ermöglichen, Überweisungen rechtzeitig durchzuführen. Tatsächlich konnte nur ein Unternehmen von fünf die eigenen Prozesse hochgradig automatisieren.

Derzeit wird die Mehrheit der Rechnungen noch als PDF-Anhang in E-Mails verschickt und empfangen (48 beziehungsweise 50 Prozent) – das ist zwar kein Skandal, aber umständlich und kein echtes e-Invoicing. Rund ein Drittel (32 Prozent) nutzen EDI- oder XML-Systeme zum Versenden, während ein Viertel der Befragten Rechnungen auf diese Weise empfangen. Web-Portale dagegen sind nur bei einer kleinen Minderheit von 17 beziehungsweise 19 Prozent von Bedeutung.

Man sieht also: Zahlungsmoral hat nicht immer etwas mit bezahlen wollen oder nicht wollen zu tun. Viele Unternehmen würden ihrer Verpflichtung nachkommen, wenn sie könnten. Doch dann liegt es in ihrer Verantwortung, die Prozessoptimierung mittels geeigneter Systeme anzupacken. Das ist auch zum Vorteil des Zahlenden, weil es die Lieferantenbeziehungen verbessert.