Der Blick über den Tellerrand: Wo e-Invoicing groß im Kommen ist

Geschäftsführer der Basware GmbH

Maschinenbau und Fußball sind deutsche Paradedisziplinen – das wissen auch die Redakteure der amerikanischen Newsweek: Nach den jüngsten Erfolgen auf wirtschaftlicher und sportlicher Ebene riefen sie kurzerhand ein „German Century“ aus. Doch gerade wenn es um IT geht, hinkt der deutsche Michl hinterher. Beispiel e-Invoicing: Der Umstand, dass die technikaffinen Finnen da längst weiter sind als Deutschland, mag noch halbwegs einleuchten. Wussten Sie aber schon von der Vorreiterrolle Lateinamerikas?

Der mexikanische Staat hat elektronische Rechnungen letztes Jahr im öffentlichen Sektor zur Pflicht gemacht. Das führte zu einer Verdreifachung von e-Invoices im ersten Halbjahr 2014. Generell ist Lateinamerika, was den Versand von e-Rechnungen angeht, den Europäern anders als im Fußball deutlich voraus: Während in Lateinamerika im gesamten vergangenen Jahr 25 Milliarden Rechnungen digital versandt wurden, waren es laut dem jüngsten, von Basware unterstützten Billentis-Report in Europa im gleichen Zeitraum nur sechs Milliarden.

Das Europäische Parlament hat bereits 2010 eine Richtlinie verabschiedet, die elektronische mit Papierrechnungen rechtlich gleichstellte. Dieser folgte im März dieses Jahres der Beschluss, dass öffentliche Stellen grundsätzlich e-Rechnungen zu akzeptieren hätten. Deutschland hat Vorgaben wie diese zwar umgesetzt, aber der große Durchbruch war der Technologie hierzulande noch nicht vergönnt. Bei unseren geographischen Nachbarn sieht es da schon anders aus.

In Österreich wurde die verpflichtende Rechnungslegung an Dienststellen der Regierung bereits am 1. Januar 2014 Pflicht, also noch vor Inkrafttreten der EU-Richtlinie. Technisch wäre dies bereits im Vorjahr umsetzbar gewesen. Die Behörden in Finnland starteten gar noch früher durch. Schon 2010 mussten staatliche Stellen die Annahme von Papierrechnungen verweigern. Kurze Zeit später schuf das Finanzministerium in Zusammenarbeit mit dem heimischen Anbieter Basware ein e-Invoicing-Portal, um Zulieferern bei der Umstellung unter die Arme zu greifen. Seit kurzem ist auch Italien weiter als Deutschland: Ursprünglich hatten Behörden und ihre Zulieferer bis spätestens 6. Juni 2015 in der Lage sein müssen, den gegenseitigen Rechnungsverkehr ausschließlich elektronisch abzuwickeln. Doch diese Frist wurde im April dieses Jahres kurzerhand um ein Jahr vorverlegt, um Steuersündern auf die Schliche zu kommen.

Beim Vergleich zeigt sich: Gesetzgebung und Unternehmen haben sich hierzulande in Sachen Rechnungsbearbeitung nur langsam dem Fortschritt angepasst. Das könnte sich aber nun ändern. Als treibende Kraft hat der kürzlich veröffentlichte Billentis-Report unter anderem Konzerne ausgemacht. Sie setzen ihre Zulieferer – und damit Millionen von kleinen und mittelgroßem Unternehmen (KMU) – unter Druck, dem elenden Papierkrieg ein Ende zu setzen. Nicht immer mit Erfolg, wie Basware-CEO Esa Tihilä in einem erst kürzlich im Finanzmagazin „Der Treasurer“ erschienenen Artikel berichtete: Das große Problem liege in einem Nebeneinander unterschiedlicher Standards – und in der daraus entstehenden Komplexität, von der sich kleine Firmen oft überfordert fühlen.

Zumindest in dieser Hinsicht könnte eine Initiative des Forums elektronische Rechnung Deutschland (FeRD) helfen. Ende Juni stellte der Verband zusammen mit Vertretern des IT-Branchenverbandes BITKOM sowie des Bundeswirtschafts- und des Innenministeriums die finale Version seines neuen Zentralen User-Guides vor, kurz ZUGFeRD genannt. Bei diesem auch von Basware unterstützten Format handelt es sich um einen neuen e-Invoicing-Standard, mit dessen Hilfe das Forum eine entscheidende Hürde für die Einführung von e-Rechnungen in Deutschland beseitigen möchte. Sollte sich diese Hoffnung erfüllen, könnte der neue Standard tatsächlich das Zugpferd sein, das Deutschland auch im e-Invoicing nach ganz vorne bringt.

 

Category: E-Invoicing